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enzian-news Juni 2010

Erfolgreiche Integration ist kein Zufall!

In St. Gallen steht Verdi für Interkulturelle Übersetzungen

Im Kanton St. Gallen gibt es seit 1998 Verdi, den kantonalen Vermittlungsdienst für interkulturelles Übersetzen. Verdi-Leute beherrschen mehr als 50 Sprachen, leisteten letztes Jahr knapp 5500 Einsatzstunden, das sind zehnmal mehr als bei der Gründung, und auf Platz 1 der Sprachhitparade steht Albanisch.

Die Übersetzungstätigkeiten der Verdi-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gliedern sich in die drei Bereiche Schule, Gesundheitswesen und Sozialbereich. „Rund 5500 Übersetzungsstunden haben wir im letzten Jahr im Kanton St. Gallen angeboten, davon entfielen etwa 2000 Stunden auf das Gesundheitswesen“, sagt Michèle Rüdiger-Wallach, seit diesem Jahr verantwortlich für Verdi bei der ARGE Integration. Die Kunden hier sind vor allem das Kantonsspital, das Kinderspital oder die Sozialversicherungsanstalt, bei IV-Abklärungen. Hausärzte kommen dagegen nur ganz selten. „Das Bedürfnis wäre schon vorhanden, aber sie müssten die Dienstleistung selber bezahlen“, sagt Rüdiger-Wallach. Und so übersetzen halt manchmal auch die Kinder die Diagnose des Arztes für ihre Eltern. Ebenfalls mit rund 2000 Übersetzungsstunden pro Jahr stehen die sozialen Institutionen zu Buche, wie etwa Beratungsstellen, das Frauenhaus St. Gallen oder die Opferhilfe. Schliesslich sind mit den restlichen rund 1500 Stunden jährlich diverse Schulen und der schulpsychologische Dienst Kunden von Verdi.
 
Genau 52 Sprachen finden sich auf einer Liste im Internet, wo Verdi die Übersetzerdienste präsentiert, das beginnt bei Albanisch  und führt über Griechisch und Swahili bis zu Vietnamesisch. Die am häufigsten gewünschten Sprachen sind: Albanisch, Bosnisch-Kroatisch-Serbisch, Türkisch, Portugiesisch und Tamil. „Unsere Aufgabe besteht darin, die richtigen Leute im richtigen Moment zur Hand zu haben, das kann manchmal auch sehr kurzfristig sein“, sagt die Leiterin von Verdi. Die „richtigen“ Leute müssen aber nicht nur die Sprache beherrschen, sondern auch mit den kulturellen Hintergründen des Herkunftslandes bestens vertraut sein. Michèle Rüdiger-Wallach nennt ein Beispiel: „Wenn eine Mutter beim Elterngespräch in der Schule sich mit Händen und Füssen dagegen wehrt, dass ihr Kind in eine Kleinklasse soll, hat das vielleicht damit zu tun, dass in ihrer Herkunftsregion Kleinklassen mit Behinderung gleichgesetzt werden – und Behinderte sozial schlecht gestellt sind.“ Deshalb sei bei der Auswahl der Übersetzer und Übersetzerinnen die Kenntnis des Herkunftslandes und des dortigen Soziallebens ein ganz wichtiger Aspekt.
 
In der konkreten Gesprächssituation – im Trialog –  ist es Aufgabe der Übersetzer und Übersetzerinnen, das Gespräch dann zu unterbrechen, wenn es zum Verständnis einer Aussage noch kulturgebundene Zusatzinformationen braucht, und diese dann in der jeweiligen Sprache auch anzubringen. Ein hoher Anspruch an die Übersetzerinnen, dem neuerdings mit einer profunden Ausbildung auch Rechnung getragen wird: Seit 2009 kann der eidgenössische Fachausweis „Interkulturelle/r Übersetzer/in“ erlangt werden.
Autor / Autorin: Felix Mätzler
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